Geschichte

Die Gastfreundlichkeit der Beduinen war unter Reisenden, die sich verirrt hatten oder sich in einer verzweifelten Lage in einer rauen Umgebung befanden, weit bekannt. Die Beduinen mussten die Persönlichkeiten und Absichten ihrer potentiellen Gäste schnell einschätzen, um die Sicherheit des Stammes zu erhalten. Können wir ihnen vertrauen? Sind sie Diebe? Ehrbar? Gute Händler? Und vieles mehr. Da die Beduinen eine mit einem geheimnisvollen Mythos umgebende geschlossene Gesellschaft waren, dachten die Reisenden, dass sie Magie oder Hellsichtigkeit benutzen würden. Doch ihre in Sekunden hervorgebrachten Feststellungen beruhten lediglich auf sorgfältiger Beobachtung und dem Zusammenfügen der Puzzleteile.

Ein Beduine konnte sich mit dir hinsetzen und innerhalb von wenigen Sekunden sehr leicht dein Gesicht wie eine Landkarte von Musklen und Schatten lesen und mit einer erstaunlichen Genauigkeit dein Leben und deine Persönlichkeit offenbaren – was ein Geschenk! Als weite Reisen noch nicht so weit verbreitet waren, konnten sie sogar die Nationalität bestimmen und manchmal auch die Familie, aus der man kam.

Ferasa ist inzwischen eine vergessene Wissenschaft, die nur noch von wenigen außerhalb der traditionellen Kultur, die über viele Generationen weiter gegeben wurde, praktiziert wird. In viele alten arabischen Schriften wurde über Ferasa geschrieben, und im 9. Jahrhundert wurde dies von griechischen Philosophen und Gelehrten wie Sokrates, Plato, Archimedes und anderen übernommen. Die Araber benutzen Ferasa über weitere 700 Jahre, und wurden zu einer Kultur, die sich weit über ihre Grenzen verbreitete. Ferasa war so in die Kultur eingebettet, dass es auch die Wissenschaften der Mathematik, Medizin und Astronomie durchdrang.

Alle anerkannten arabischen Anführer benutzen tagtäglich Ferasa – in der Justiz, für ein tieferes Verständnis der spirituellen Natur, für die Bedürfnissen der Gesellschaft und sogar was Kriegstaktiken betraf. Dies war für die Europäer schwierig zu verstehen. Wenn sie versuchten, die arabischen Texte zu entschlüsseln, ging Ferasa verloren wie auch der Gebrauch der Kunst außerhalb von Arabien. Zwar wurden viele der alten arabischen Texte sicher aufbewahrt, damit Menschen lesen und entdecken konnten wie Ferasa als wichtiges Werkzeug benutzt wurde, doch aufgrund der immer stärker werdenden modernen Wissenschaften und dem fehlenden Verständnis der vollständigen Tiefe dieser Kunst, wurde alles lediglich zu einer Fabel.

Ferasa kann man nicht von Manuskripten oder Büchern lernen. Man muss von jemandem, der die Kunst praktiziert, unterrichtet werden. Warum es eine Kunst sei, wenn das Wissen auf Logik und Wissenschaft basiert? Die Kunst liegt in den Händen des Praktizierenden, der alle drei Abschnitte von Ferasa zusammenfügt, um dann zu einem tiefen Verständnis über die Person oder deren Situation zu kommen und eine Antwort liefert!