Beltane – Vollmond

Vollmond Anfang Mai – Beltane, Fest des wiedererwachenden Frühlings, der Kraft der Sonne, der Lebensfreude. Die Natur ist in den letzten Tagen regelrecht explodiert, man konnte zusehen wie die Sonenkraft nährt und stärkt – der Raps duftet betörend, die Löwenzahnwiesen sind ein Augenschmauß wie auch die blühenden Obstbäume, die Insekten schwirren, der Wald hinterm Haus trägt sattes saftiges Grün und hier und da blüht der Hollunder und läd mich ein, bald wieder Sirup zu machen.

Und dann – grauer Himmel, heftiger Regen, niedere Temperaturen… ich muss den Ofen wieder entfachen, die warmen Sachen aus dem Schrank holen. Was ist das? Was für ein Fest! Und ich erinnere mich an die buddhistischen Tradition des Skorpion-Vollmond im Mai: das Fest des Vesakh- oder Buddha-Vollmonds. Es erinnert an die Geburt, die Erleuchtung und das vollkommene Verlöschen von Buddha, und an den Austritt aus dem Kreislauf der Wiedergeburt.

So besinne ich mich neben all dem Neuen, dem Erwachen der Säfte, den Trieben, all der Üppigkeit und dem Farbenreichtum auf das, was vergehen soll. Wie Buddha können auch wir den göttlichen Funken in unserem Menschsein erkennen und wir können all das, was uns nicht länger dient, ausgraben und freilassen. So stelle ich mich meinen alten Ängsten, meinen verkorksten Verhaltensmustern und limitierenden Glaubenssätzen. Tief muss ich graben, so viel habe ich schon freigebuddelt und gewandelt. Und mit einem Mal überkommt mich der Schmerz, sprudelt aus mir heraus, tönt und tanzt mich. Ich bin dankbar über den Regen, der mit meinen Tränen den Schmerz hinwegspült, dankbar über das Feuer, das ich mit den alten Ängsten füttere. Und dann spür ich sie: die Ur-Frau in mir, wild und kraftvoll, eins mit der vor Kraft strotzenden Natur. Die Ur-Frau, die sich ihren Mann auserwählt.

Der Sage nach wurde zu Beltane der neue Hirschkönig erkoren, der während der lichtvollen Jahreszeit, bis Samhain, Herrscher über Tiere, Pflanzen und Menschen sein wird. Voll Staunen erwache ich vom Bellen eines Rehbocks (ok, kein Hirsch, aber den hat es hier auch noch nie gegeben) auf der Wiese vor meinem Fenster. Lange steht er dort im satten hohen Gras und wir halten Zwiesprache. Dann springt er davon.

Ich freue mich auf die neue helle Jahreszeit ~

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