Tor der Absicht – 8. Venus-Mond-Konjunktion

Bevor Inanna für die nächsten ~90 Tage in der Unterwelt verschwindet, bevor Venus als Morgenstern stirbt, bildet sie am 6. April nochmals eine Konjunktion mit der Mondin (0° Widder 46′). Dies wird als das „Tor des Todes durch Absicht“ bezeichnet. Nicht in jedem Venuszyklus gibt es dieses Tor, und so kann man diese Konjunktion als die ultimative schamanische Initiation von Venus/Inanna in ihrem synodischen Zyklus ansehen.

Während der letzten Monate hat Inanna bei ihrem Abstieg an jedem Tor sich einer ihrer Insignien entledigt. Sie hat Stück für Stück alles, was ein verzerrtes Abbild ihrer Macht ist, aufgegeben und zurückgelassen. Nun wird sie die nächsten Wochen in der Unterwelt verweilen. In dieser zeit darf dann alles sterben, was nicht länger ihrem göttlich weiblichen Aspekt nutzt.
Nackt und bloß steht sie nun vor ihrer Schwester Ereshkigal, der Göttin der Unterwelt, des Todes und der Wiedergeburt, und es gibt nichts mehr, was sie von irgend jemand anderem unterscheidet. Sie beschließt, bewusst, aus eigenem Willen heraus, zu sterben. Sie ergibt sich, händigt sich selbst dem bewussten Tod aus, lässt ihr eigenes Bildnis, die Person, die sie glaubte zu sein, sterben.
In dieser Zeit ist Venus von der Erde am weitesten entfernt, reist mit der Sonne und ist nicht sichtbar. Das Sterben geschieht tief in uns drin, nicht sichtbar – bis Venus dann als Abendstern wieder am Himmel erscheinen wird.

An diesem Ort der Verwundbarkeit haben wir Zeit, alle Anhaftungen an das Leben freizulassen und uns ganz dem transformativen Prozess des schamanischen Todes (und der Wiedergeburt) hinzugeben. Während der nächsten Wochen geht es darum, bereitwillig den Tod zu umarmen, die Kräfte alles vernichten zu lassen, was nicht mehr länger dem weiblichen Aspekt in dir (egal ob du Mann oder Frau bist) dient! Der Schlüssel dazu ist Hingabe und Urvertrauen – dann folgen Befreiung und Ermächtigung (Inanna wird wiedergeboren).

Die Geschichte von Inanna zeigt einen Weg der Heilung, Integration und Wachstum des Weiblichen. Inanna erkennt in der Konfrontation mit Ereshkigal, dass sie gegen ihre Schwester, d.h. gegen ihre tiefsten, dunkelsten, wildesten und abgründigsten Wesensanteile, keine Chance hat. Sie muss sich dem Prozess hingeben.
Erst wenn wir bis auf das letzte Hemd nackt ausgezogen werden, wenn uns ganz und gar der Boden unter den Füßen weggezogen wird (Inanna hängt für 3 Tage als verrottendes Stück Fleisch auf einen Haken an der Wand), wenn es nichts mehr gibt, was uns Halt gibt, ist die Kraft von Ereshkigal spürbar. Während des Abstiegs in die Unterwelt, in die eigenen Abgründe, geht es um die Aufgabe jeglichen Scheins, das Ablegen der Insignien. Nun, in der Unterwelt, geht es um die Aufgabe der eigenen Identität, um das Sich-Einlassen mit der völligen Leere und Sinnentleertheit, um neu erschaffen zu werden.

Jede und jeder einzelne, der sich auf diesen Prozess einlässt, kreiert eine neue kollektive kraftvolle Verkörperung des Weiblichen mit. In diesem Falle geht es um die feurige Kraft der ersten Zeichens im Tierkreis: Frei ausdrücken, was du liebst, frei und spontan deine Gefühle zeigen, die eigene Freiheit und Unabhängigkeit in Beziehungen leben wie auch die des anderen zulassen. Du tust es für dich und andere.

 

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