Venus und Mars in der Unterwelt – seltenes Stelldichein

Wie in jedem Venuszyklus, nachdem sie durch das siebte Tor geschritten ist, stirbt Inanna/Venus in der Unterwelt. Vom 8. Juli bis 19. September ist Venus nicht mehr am Himmel zu sehen. 

Am 1. Juli (22.50 Uhr) findet die letzte Mond-Venus Konjunktion (27.53 Zwilling), statt, bevor Venus am 8. Juli 2019 (06.23 Krebs) vom Horizont verschwindet. Diese achte Konjunktion, die nicht in jedem Venuszyklus stattfindet, repräsentiert ein weiteres Tor auf Inannas Weg in die Unterwelt.
Das achte Tor ist das sogenannte Tor der Absicht. Tief tief in der Unterwelt begegnet Inanna nun ihren tiefsten Ängsten. Sie gibt sich hin, lässt sich an den Haken hängen, ist bereit zu sterben und zu verrotten. Sie erkennt in der Konfrontation mit ihrer Schwester Ereshkigal, dass sie gegen diese, dh. gegen ihre tiefsten, dunkelsten, wildesten und abgründigsten Wesensanteile, keine Chance hat.

Diese für uns unsichtbare Initiation, die in sich schon ein kraftvolles spezielles Tor darstellt, ist dieses Jahr doppelt speziell, da auch Mars die Unterwelt betritt (17. Juli; 10.05 Löwe) und dort am 24. August auf Venus trifft (4.08 Jungfrau).
Vom 22. Juli bis 16. September bewegen sich Venus und Mars innerhalb von 10 Grad gemeinsam in der Unterwelt. Ein langes Rendezvous, für uns hinter verschlossen Türen.

In dieser Zeit geht es darum, uns unseren tiefsten Ängsten, die wir gegenüber gleichberechtigten Beziehungen haben, zuzuwenden – anstatt, wie wir das meist im Alltag tun, vor ihnen wegzurennen. Es geht darum, aus eigener Absicht die eigene Identität abzugeben und sich auf die völlige Leere und Sinnentleertheit einzulassen. Wenn wir bereit sind, zu sterben, wenn wir bereit sind, unsere tiefsten Ängste zu verabschieden, ist ein tiefgreifende Wandel möglich und können wir uns neu erschaffen. Erst dann (wenn wir uns im Innen gewandelt haben) ist es uns möglich, auch neue Beziehungsstrukturen (im Aussen) zu erschaffen.

In der Unterwelt trifft Venus am 13. August auf die Sonne (21.11 Löwe) und Mars am 2. September (09.41 Jungfrau).
Wenn Venus und Mars auf die Sonne treffen, gebären sie neue Ausdrucksformen des weiblichen und männlichen Prinzips. Im Herzen der Sonne werden falsche und einengende Ideologien bezüglich Beziehung verbrannt. Es geht darum, die bekannten alten kulturellen Normen, die nicht mehr funktionieren, hinter uns zu lassen. Um dann neu Konzepte und Beziehungsideale gebären zu können.

Die Konjunktion inmitten der Sonne erinnert an tagelange Rituale wie den Sonnentanz und die O-kee-pa Zeremonie. In der Unterwelt geht es um den schamanischen Tod und die Wiedergeburt. Es ist Zeit für Hingabe, vollkommene Machtlosigkeit, bewusst sich den Kräften auszuliefern, mehr Demut und Reife zu entwickeln. 

Der derzeitige Mars Zyklus begann im Wassermann, der derzeitige Venus Zyklus in der Waage. Wenn der Wassermann-Gott auf die Waage-Göttin trifft, geht es um
• Gleichheit und Bewusstsein
• Ideale und Konzepte (Luftzeichen)
• Verbindung (Waage) und Befreiung (Wassermann)

Während wir am Fleischerhaken hängen, werden wir mit der Spannung zwischen unserem Wunsch nach Unabhängigkeit und Freiheit versus unserem Bedürfnis nach gesunden Bindungen mit andern konfrontiert.
Was auch immer unsere persönlichen Erfahrungen sein werden, sie helfen uns, die Traumata unserer Ahnenreihe klarer betrachten zu können, in denen der eigene Ausdruck dem Wohl der Gemeinschaft geopfert wurde und auch zu erkennen, was wir brauchen, um dies zu heilen. Unsere persönlichen Erfahrungen können uns auch helfen, die kulturellen Wunden, wie der Kolonisation, zu heilen, in denen die Bindung zur Erde durch patriarchale Himmelsgötter ohne Rücksicht auf Individuen, Kulturen und Mutter Erde zerschlagen wurde.

Dieser Heilungsprozess der Ahnen wird durch die Konjunktion von Saturn und Pluto mit dem südlichen Mondknoten im Steinbock unterstützt. Während Venus in die Unterwelt eintritt, vom Himmel verschwindet, ist die Sonne in exakter Konjunktion mit dem nördlichen Mondknoten in Opposition zu Saturn; Mond in Quadrat zu Venus. Während Mars in die Unterwelt eintaucht, ist die Sonne in Opposition zu Pluto. Mond in Opposition zu Mars.

Es geht in den nächsten Wochen darum, die Themen „Macht über…“ zwischen Männlichkeit und Weiblichkeit genauer anzuschauen. Welche Dynamiken können wir dem Prozess von Tod und Wiedergeburt aushändigen? Ich laden dich ein, auf deine Art immer wieder innezuhalten und dir Zeit dafür zu nehmen. Dir Zeit für deinen persönlichen Sonnentanz zu nehmen. Hilfreiche Fragen sind:
Wie zeigen sich mir die Energien des weiblichen und männlichen Archetyps?
Hat eine von beiden eine lautere Stimme?
Arbeiten sie in Harmonie zusammen? 
Wie bereit bin ich, beide Energien in ihrer Ganzheit und Souveränität auszudrücken?
Wie können authentische Beziehungen mich befreien?
Wie könnte diese heilige Verbindung in mir mir größeren Zugang zu meiner eigenen kreativen Kraft, die ich bislang mir nicht vorstellen konnte, gewähren?

Stell dir vor wie ein vollkommen ermächtigter männlicher Mars eine heilige Verbindung mit einer vollkommen ermächtigten weiblichen Venus eingeht. Und wie sie gemeinsam neue Möglichkeiten von Beziehungen kreieren.
Beide sind bereit, dem andern auf eine neuen Art zu begegnen – mit grosser Liebe, Respekt, Würdigung und Anerkennung der Werte, die der andere mitbringt. So bekräftigen sie ihre gemeinsame bewusste co-kreative Beziehung. So erschaffen sie ein neues Beziehungsmuster, welches bewusst verbindet und die Geschenke des andern ehrt. 

Nach fast 3 Monaten erscheint Venus am 19. September wieder als Abendstern am westlichen Himmel. Mars bleibt einen weiteren Monat in der Unterwelt und erscheint am 16. Oktober wieder als “Morgenstern”.

 

Beitragsbild: Louis Jean François Lagrenée (French, 1725 – 1805)
Mars and Venus, Allegory of Peace (Mars et Vénus, allégorie sur la Paix), 1770, Oil on canvas, 64.8 × 53.8 cm (25 1/2 × 21 3/16 in.), 97.PA.65
The J. Paul Getty Museum, Los Angeles

Artikelbild: Marsfigur mit Venus, figuren-shop.de

 

Venus und Mars in der Unterwelt – seltenes Stelldichein

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